MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahren

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MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahren

Beitragvon Beckenrandschwimmer » Gestern 17:12

Hallo,
wie schon einige hier mitbekommen haben, bin ich dabei ein MZ ES 250/2 Gespann BJ1967 wieder in Betrieb zu nehmen. Diese stand die letzten 30...40 Jahre zum Großteil.

Warum habe ich das Gespann gekauft? Ich besitze seit nunmehr 31 Jahren eine Simson S50 B2, welche ich damals von meinem Opa geschenkt bekommen habe, der diese 1979 selbst gekauft hat.
Meine Frau und ich sind damit schon einige Touren gefahren, nur kann sie nun, wegen einer neurologischen Erkrankung, nicht mehr als Sozius mitfahren. Es besteh die Gefahr, dass sie hinten runterfällt.
Deshalb kamen wir auf die Idee mit dem Gespann. Dann kann ich auch 2 Kinder mitnehmen. Und was liegt näher, als „den großen Bruder“ der Simson, eine MZ zu nehmen?

Nur die allermeisten Angebote gab es im Osten, mittlerweile im Westen wohnend, keine Option, da unsere Familienkutsche keine Anhängerkupplung hat.
Nach paar Monaten schauen und immer wieder suchen fanden wir ein Gespann mit TÜV, aber nach der Wende nicht wirklich im Betrieb – sie war zwischen 1993 und 2003 zugelassen, wurde aber kaum bewegt:

Der Vorbesitzer hat schon angefangen gehabt sie fertig zu machen, stellte zum Beispiel die Bremse vom Seitenwagen ein und lies sie den TÜV im April dieses Jahr bestehen, hatte dann aber keine Zeit/Lust mehr. In seinem Fuhrpark hat er S51, Sperber, irgendeine Vespa, einen Trabbi + einen Trabbi als Kübelwagen,…
Nunja, Probefahrt war mit einem roten Kennzeichen möglich, sind gleich liegen geblieben, da der Rost im Tank den Reserve Benzinhahn verstopft hat. Mehr Benzin rein und auf „normal“ ging es weiter.

Wir waren uns dann einig und so kam das gute Stück zu uns. Die Odyssee mit der Zulassungsstelle: https://mz-forum.com/viewtopic.php?f=144&t=99923.
Jetzt, mit 21er Abnahme, neuer Zulassungsbescheinigung I und II, eingetragenen TÜV für 09/28 muss ich schauen, was am Motorrad schnellstmöglich gemacht werden muss, und was noch etwas warten kann.
Hier mal paar Bilder:

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Die 2 Füchse sind die Klassen-Maskottchen unserer 4. Tochter. Die mussten natürlich auch eine Ausfahrt machen.
Jetzt aber erstmal Schritt für Schritt.

Als Erstes habe ich den Tank saubergemacht, eine Tankregeneration steht für den Winter an.
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Es waren viele Schrauben/ Muttern nicht richtig fest, ein paar fehlten. Den Zündkondensator habe ich geprüft und er hat noch seine Kapazität, es steht aber wohl noch „EVP“ drauf? Noch ein Zeichen, dass das Motorrad lange nicht viel gefahren ist.
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Seit Wiederinbetriebnahme bin ich nun etwas über 100km damit gefahren.
Der Motor muss sicherlich überholt werden. Jetzt die Frage: gleich machen, oder kann man noch paar 100km fahren?

Ja, er nebelt und die Simmerringe auf der Kurbelwelle sind bestimmt auch nicht mehr ganz dicht. Der Motor markiert auch sein Revier, der Krümmer ist nicht ganz dicht und das Motoröl, welches seinen Weg durch die Simmerringe findet, spritzt an den Tachoantrieb und Rahmen. Einen neuen Krümmer habe ich schon da liegen:

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Letztes Wochenende war ich 50km am Stück unterwegs, auch kurz auf der BAB. Dabei habe ich gemerkt, dass bei ein paar 10 Sekunden Vollgas fahren der Motor aus geht, dann kurz wieder an, wieder aus. Laut GPS war ich auf 98km/h. Ich habe dann etwas Gas weggenommen und der Motor lief wieder gut. Bin dann die restlichen 10km BAB mit 85 laut GPS gefahren, wie die LKWs, ohne Probleme.

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Die Zündkerze ist aber eher zu dunkel statt zu Hell, was mir sagt, dass diese eher nicht zu heiß wird. Vielleicht ist auch nur der Durchfluss durch den alten Benzinhahn/ Filter bei Vollgas und hoher Drehzahl zu gering? Ausgelittert habe ich noch nicht.

Ich habe mich erstmal um das Licht gekümmert. Bei der ersten Nachtfahrt – zum Glück nur 2km von Freunden heim – habe ich bemerkt, dass das Licht nach Rechts oben scheint. Wie das Teil damit TÜV bekommen hat ist mir schleierhaft.
Lampenabdeckung ab und ja, da fehlt oben links die Schraube. Ersatz M5 Schraube rein. Jetzt ging aber das Standlicht nicht mehr. Reflektor raus, die Birne ist noch heile, aber der Sockel verrostet. Auseinander bauen und gut reinigen/mit der Feile bearbeiten.

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Danach funktionierte das Stand-Licht wieder. Was mich gewundert hat: Der Reflektor ist von 1978. Und es ist eine 40/45W Lampe (Narva, P45t Bauform) verbaut. Überlastet die nicht die Lichtmaschine? Die P45t habe ich nur mit 45/40W gesehen. Mit 35W/35W gibt es die scheinbar gar nicht.

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45W Aufblendlicht + 2x 5W Rücklicht + 1x 10W Frontlicht vom Seitenwagen + 2x 1,2W Tachobeleuchtung. = knapp 70W. Blinker 18W und Bremslicht auch 18W.
Die Lichtmaschine schafft ja nur 60W und 90W kurzzeitig. Also lieber nicht aufblenden, bremsen und blinken gleichzeitig?

Und dann die große Frage: Den Motor selbst machen oder machen lassen? Und wenn machen lassen, gleich alles, heißt neue Kurbelwelle, neuer Zylinder/ überarbeiten? Was sind eure Erfahrungen? Gleich auch eine Vape Zündung rein und auf 12V umrüsten? Dann wäre auch das Thema Lichtmaschine erledigt. Nur bräuchte ich dann einen 12V Akku + Lampen.

Und wenn ich den Motor machen lasse, wo? Habt ihr Erfahrungen? Wie versendet man den Klotz?
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Re: MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahr

Beitragvon rally1476 » Gestern 17:40

Tach,

das Gespann wird Euch sicher viel Freude bereiten.
Dazu muss es aber unbedingt zuverlässig fahren.

Dein Vorhaben den Motor zu überholen, oder überholen zu lassen ist dazu notwendig.
Ganz unbedingt und nicht lang damit warten, bitte die Durchflussmessung bis in den Vergaser machen.
Das ist essentiell, will man sich den Motor nicht zerschießen.
Viel schlimmer ist dabei aber das Unfallrisiko, welches mit einem plötzlich festgehenden Motor durch Magerlauf einher geht.

Du lernst ja gerade neue alte Technik kennen und bist vorher vielleicht noch nicht Gespann gefahren.
Das allein ist schon recht herausfordernd.
Eine sichere Fahrtechnik muss man sich auch erst antrainieren.

Ansonsten ist eine 12V Lima natürlich eine nützliche Ergänzung.
Generell würde ich mir in der kalten Jahreszeit die gesamte Fahrzeugelektrik ansehen und ggf. erneuern.

Kurz nochmal zu Motor.
Die geschilderte Fahrleistung entspricht bei dem Gespann schon das, was man erwarten kann.
Das wird nach der Motorrevision nicht signifikant ander werden, auch wenn man vielleicht leise darauf hofft.

Ich wünsche Euch ganz viel Spaß mit dem Dreirad.


Gruß Rally
Brommt gut die Beere!

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Re: MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahr

Beitragvon TSDriver » Gestern 17:43

Gerne kann ich dir über den Herbst/Winter helfen sofern du Unterstützung benötigst.
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Re: MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahr

Beitragvon Galilool » Gestern 17:53

Anstatt direkt tief in die Tasche zu greifen um eine Vape zu besorgen, würde ich erstmal versuchen die alte Lichtmadchine auf 12V hochzuspannen. Das geht ganz einfach, du brauchst lediglich einen Hüco 12V Regler und eine Rückstromdiode. Grundlegende Lötkenntnisse sind ebenfalls hilfreich. Die Anleitung dazu sollte in der Wissensdatenbank stehen, andernfalls kann ich sie dir auch morgen per PN zukommen lassen.

Durch das Hochspannen verdoppelt sich natürlich auch die Leistung der Lichtmaschine, also haste dann 120W Dauerleistung und 180 W maximal. So wird das Ding dann auch gemütlich mit der ganzen Beiwagenornamentik fertig.
Joker hat geschrieben:Gewaltig ist des Schlossers Kraft,
wenn er mit Verlängerung schafft

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Re: MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahr

Beitragvon Nordlicht » Gestern 18:08

Durch das Hochregeln der Lima steigt nicht die Leistung
Gruß Uwe.
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Re: MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahr

Beitragvon Galilool » Gestern 18:22

Doppelte Spannung plus gleicher Strom gleich doppelte Leistung...

10 Ampere bei 6 Volt: 60 Watt
10 Ampere bei 12 Volt: 120 Watt
Joker hat geschrieben:Gewaltig ist des Schlossers Kraft,
wenn er mit Verlängerung schafft

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Re: MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahr

Beitragvon Nordlicht » Gestern 18:41

Doppelte Spannung halbiert sich der Strom...mehr nicht..
Gruß Uwe.
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Re: MZ ES 250/2 Gespann - Wiederinbetriebnahme nach 35+ Jahr

Beitragvon starke136 » Gestern 19:35

Nordlicht hat geschrieben:Doppelte Spannung halbiert sich der Strom...mehr nicht..


Nur wenn die Leistung gleich bleibt. Tut sie in diesem Fall aber nicht. Der Strom steigt bei steigender Spannung sogar laut ohmschen Gesetz.

Bei der Lima ist es aber nicht ganz so denke ich. Die Magnete und die Spule begrenzen durch ihre Bauart den Strom auf ein gewisses Maximum. Also können auch bei mehr Spannung nicht mehr Strom erzeugen als ihre Bauart maximal zulässt.
Erhöhe ich jetzt die Spannung, steigt dadurch die Leistung.

P= U x I

Bei I konstant und U verdoppelt, von 6 auf 12 V, müsste sich auch P verdoppeln.

In der Realität ist es aber eine geringere Leistungssteigerung der Anlage, keine doppelte Leistung.
Viele Oldtimerforen geben Berichte dazu und die meisten erreichen damit wohl eine elektrische Leistungssteigerung zwischen 30% bis 60%.

Lothar, liest du mit?
Deine fachliche Meinung hierzu wäre sehr interessant 🙂
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