Hallo,
wie schon einige hier mitbekommen haben, bin ich dabei ein MZ ES 250/2 Gespann BJ1967 wieder in Betrieb zu nehmen. Diese stand die letzten 30...40 Jahre zum Großteil.
Warum habe ich das Gespann gekauft? Ich besitze seit nunmehr 31 Jahren eine Simson S50 B2, welche ich damals von meinem Opa geschenkt bekommen habe, der diese 1979 selbst gekauft hat.
Meine Frau und ich sind damit schon einige Touren gefahren, nur kann sie nun, wegen einer neurologischen Erkrankung, nicht mehr als Sozius mitfahren. Es besteh die Gefahr, dass sie hinten runterfällt.
Deshalb kamen wir auf die Idee mit dem Gespann. Dann kann ich auch 2 Kinder mitnehmen. Und was liegt näher, als „den großen Bruder“ der Simson, eine MZ zu nehmen?
Nur die allermeisten Angebote gab es im Osten, mittlerweile im Westen wohnend, keine Option, da unsere Familienkutsche keine Anhängerkupplung hat.
Nach paar Monaten schauen und immer wieder suchen fanden wir ein Gespann mit TÜV, aber nach der Wende nicht wirklich im Betrieb – sie war zwischen 1993 und 2003 zugelassen, wurde aber kaum bewegt:
Der Vorbesitzer hat schon angefangen gehabt sie fertig zu machen, stellte zum Beispiel die Bremse vom Seitenwagen ein und lies sie den TÜV im April dieses Jahr bestehen, hatte dann aber keine Zeit/Lust mehr. In seinem Fuhrpark hat er S51, Sperber, irgendeine Vespa, einen Trabbi + einen Trabbi als Kübelwagen,…
Nunja, Probefahrt war mit einem roten Kennzeichen möglich, sind gleich liegen geblieben, da der Rost im Tank den Reserve Benzinhahn verstopft hat. Mehr Benzin rein und auf „normal“ ging es weiter.
Wir waren uns dann einig und so kam das gute Stück zu uns. Die Odyssee mit der Zulassungsstelle: https://mz-forum.com/viewtopic.php?f=144&t=99923.
Jetzt, mit 21er Abnahme, neuer Zulassungsbescheinigung I und II, eingetragenen TÜV für 09/28 muss ich schauen, was am Motorrad schnellstmöglich gemacht werden muss, und was noch etwas warten kann.
Hier mal paar Bilder:
Die 2 Füchse sind die Klassen-Maskottchen unserer 4. Tochter. Die mussten natürlich auch eine Ausfahrt machen.
Jetzt aber erstmal Schritt für Schritt.
Als Erstes habe ich den Tank saubergemacht, eine Tankregeneration steht für den Winter an.
Es waren viele Schrauben/ Muttern nicht richtig fest, ein paar fehlten. Den Zündkondensator habe ich geprüft und er hat noch seine Kapazität, es steht aber wohl noch „EVP“ drauf? Noch ein Zeichen, dass das Motorrad lange nicht viel gefahren ist.
Seit Wiederinbetriebnahme bin ich nun etwas über 100km damit gefahren.
Der Motor muss sicherlich überholt werden. Jetzt die Frage: gleich machen, oder kann man noch paar 100km fahren?
Ja, er nebelt und die Simmerringe auf der Kurbelwelle sind bestimmt auch nicht mehr ganz dicht. Der Motor markiert auch sein Revier, der Krümmer ist nicht ganz dicht und das Motoröl, welches seinen Weg durch die Simmerringe findet, spritzt an den Tachoantrieb und Rahmen. Einen neuen Krümmer habe ich schon da liegen:
Letztes Wochenende war ich 50km am Stück unterwegs, auch kurz auf der BAB. Dabei habe ich gemerkt, dass bei ein paar 10 Sekunden Vollgas fahren der Motor aus geht, dann kurz wieder an, wieder aus. Laut GPS war ich auf 98km/h. Ich habe dann etwas Gas weggenommen und der Motor lief wieder gut. Bin dann die restlichen 10km BAB mit 85 laut GPS gefahren, wie die LKWs, ohne Probleme.
Die Zündkerze ist aber eher zu dunkel statt zu Hell, was mir sagt, dass diese eher nicht zu heiß wird. Vielleicht ist auch nur der Durchfluss durch den alten Benzinhahn/ Filter bei Vollgas und hoher Drehzahl zu gering? Ausgelittert habe ich noch nicht.
Ich habe mich erstmal um das Licht gekümmert. Bei der ersten Nachtfahrt – zum Glück nur 2km von Freunden heim – habe ich bemerkt, dass das Licht nach Rechts oben scheint. Wie das Teil damit TÜV bekommen hat ist mir schleierhaft.
Lampenabdeckung ab und ja, da fehlt oben links die Schraube. Ersatz M5 Schraube rein. Jetzt ging aber das Standlicht nicht mehr. Reflektor raus, die Birne ist noch heile, aber der Sockel verrostet. Auseinander bauen und gut reinigen/mit der Feile bearbeiten.
Danach funktionierte das Stand-Licht wieder. Was mich gewundert hat: Der Reflektor ist von 1978. Und es ist eine 40/45W Lampe (Narva, P45t Bauform) verbaut. Überlastet die nicht die Lichtmaschine? Die P45t habe ich nur mit 45/40W gesehen. Mit 35W/35W gibt es die scheinbar gar nicht.
45W Aufblendlicht + 2x 5W Rücklicht + 1x 10W Frontlicht vom Seitenwagen + 2x 1,2W Tachobeleuchtung. = knapp 70W. Blinker 18W und Bremslicht auch 18W.
Die Lichtmaschine schafft ja nur 60W und 90W kurzzeitig. Also lieber nicht aufblenden, bremsen und blinken gleichzeitig?
Und dann die große Frage: Den Motor selbst machen oder machen lassen? Und wenn machen lassen, gleich alles, heißt neue Kurbelwelle, neuer Zylinder/ überarbeiten? Was sind eure Erfahrungen? Gleich auch eine Vape Zündung rein und auf 12V umrüsten? Dann wäre auch das Thema Lichtmaschine erledigt. Nur bräuchte ich dann einen 12V Akku + Lampen.
Und wenn ich den Motor machen lasse, wo? Habt ihr Erfahrungen? Wie versendet man den Klotz?