von bujatronic » Heute 14:49
Ich kann das so nicht stehen lassen und will versuchen, das klarzustellen.
Der Einwand zur verfehlten Modellpolitik (sehe ich übrigens genau so) betrifft MuZ - nicht in irgendeiner Weise mit MZ verbunden (abgesehen davon, dass CEO beider Unternehmen schon länger Kumpanen waren). Der smarte Chef von MuZ hatte kein gründliches Marketing durchgeführt (so auch der ehem. Chefkonstrukteur beim diesjährigen Wintertreffen), Ratschläge erfahrener Mitarbeiter abgewinkt, sondern „aus dem Bauch heraus“ entschieden. Für ihn hat sich das Ganze gelohnt, er fuhr am letzten Tag mit seinem Ferrari vom Neubaustandort in Hohndorf.
Mein Posting betraf jedoch MZ (ex VEB, dann GmbH), dort wurde von der Treuhand ein weiterer Geschäftsführer dem bisherigen sehr engagierten Direktor vor die Nase gesetzt, der nicht nur völlig fachfremd, sondern auch ein gesuchter Betrüger war (ich hatte damals oft in der oberen Etage zu tun, und habe Einiges miterlebt). Der hat u.a. mit seinem Gefasel von „neuen Modellen“ (die nur in seiner Phantasie existierten) viele Händler und Importeure verunsichert, ein weiterer Sargnagel für den Absatz war die D-Mark. Siehe auch „Motorrad“ v. 31.01.2006.
Außerdem wurden zunächst viele Ingenieure entlassen, was ja schon an Irrsinn grenzt, wenn man dringend ein konkurrenzfähiges Produkt braucht...
Diese beiden CEOs hatten schon jahrzehntelang meist als Berater zusammen gearbeitet, und etliche der „Geschehnisse“ in der Wendezeit sind sicher durch dieses Verhältnis zustande gekommen. Ein Indiz mag auch sein, dass der Kreistag Zschopau sich an Treuhand und Landesregierung gewandt hatte, einzugreifen. Fraktionsübergreifend zu einer Zeit, als diese untereinander spinnefeind waren. Natürlich ergebnislos...
Nach dem Aus bei MZ ist der Betrieb Maschine für Maschine abgebaut und in die Türkei gekarrt worden. Darunter viele hochmoderne, z.T. gerade erst aus dem Westen importiert oder vom Sondermaschinenbau fertig gestellt, Asynchronband zur teilautomatisierten Motorenmontage, Schweißroboter usw. Die zweite Demontage im 20. Jh...
Dort wurden unter der Marke Kanuni die ETZ noch viele Jahre weiter gebaut, mit geringfügigen Retuschen. Soweit vom Markt weg können sie also nicht gewesen sein...
"Vergessen Sie auch nicht, daß jedes Kraftfahrzeug wertvolles Volksvermögen darstellt, das möglichst lange zu erhalten nicht nur einen persönlichen Vorteil bringt, sondern auch eine nationale Pflicht ist!"
Obering. Siegfried Rauch
Fuhrpark: MZ BK350/1956, MZ ES250/1958, MZ ETS150/1972, MZ TS250/1A/1980, MZ ETZ250F/1986, MZ ETZ125/1986, MZ ETZ251/1989 (zum Brötchen holen) und noch ein paar Autos...