Und hier – aus meiner Sicht - noch ein kleiner Nachtrag zur Sumpfmöhrentour 2025
Getreu dem Motto mit alten Maschinen, unterbrechergesteuert und am besten mit
6V-Bordspannung von Strausberg nach Stürlack die ca. 650 km lange Strecke hin-
und dann auch wieder zurückzukommen, hat die ganze Vorbereitung ja doch bei
allen fünf Sumpfmöhrenfahrern für entsprechenden Aufwand und Stress gesorgt:
Janne/Pannonia (TLT250), Stoppel (ETZ250), Burkhard (TS250 mit Lastenseitenwagen),
Lore (ES175/2) und ich (Dnepr 650 MT11).
Eigentlich waren’s sechs Sumpfmöhren, denn Nils (Reuty’s Sohn), war ja auch mit
einer 150-iger ES unterwegs gewesen.
Stürlack liegt irgendwo hinter Rastenburg in Richtung Lötzen am See, wo sich unser
aktuelles Ausweichhotel befindet, weil das Hotel auf dem Wolfsschanzengelände
immer noch restauriert wird und wer weiß, wie danach die Preise ausfallen ...
Zwischendurch in der Vorbereitungsphase haben wir natürlich immer wieder
rumgewitzelt, was denn alles während der Fahrt an den alten Möhren (hoffentlich)
kaputt gehen könnte und unterwegs repariert werden muss, aber seien wir ehrlich:
So richtig Bock hat natürlich keiner gehabt, irgendwo in praller Sonne am
Straßenrand womöglich seinen Motor auseinanderzunehmen bzw. wer bleibt schon gerne irgendwo in Polen unterwegs liegen?
So langsam trudelten dann alle am Samstag Nachmittag(19.07.) zum Stützpunkt in
Strausberg bei Lorchen ein, entweder auf eigener Achse oder mit PKW-
Unterstützung. Dann wurden noch letzte technische Abschlussarbeiten an den
Maschinen vorgenommen, die Sachen schon mal vorgepackt und anschließend noch
lecker gegrillt mit 1, 2 oder waren’s doch 3? sparsamen Bierchen, denn wir wollten ja
am nächsten bereits Morgens um Vier!!! losdüsen.
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Zuvor noch die übliche E22-Route abgeändert, d.h. ab Deutsch-Krone nicht weiter auf
der E22 Richtung Elbing fahren, sondern aufgrund Reuty’s Vorwarnung vor jeder
Menge Baustellen eine etwas südlichere Route ausgewählt, über Bromberg,
Graudenz und Allenstein.
Also haben wir uns irgendwann gegen Mitternacht hingehauen und jeder, wie er
wollte oder konnte, rumgedöst bzw. kurz genächtigt.
Dann 3:30 aufstehen, Klamotten an, kurzer Kaffee noch und – nein wir warfen nicht
die Motoren an – sondern schoben die Maschinen erst einmal so ungefähr 300m zur
nächsten S-Bahn-Station, um nicht den Hausfrieden in Strausberg durcheinander zu
bringen.
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Ab gings - bis zum traditionellen ersten Stop in Küstrin – wir hatten wir uns
mittlerweile eingefahren - Geld tauschen und weiter.
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Weiter gings - lief alles wie am Schnürchen - die Anspannung legte sich - dat Ding
läuft!
Die Reihenfolge war mit Lorchen als Rudelführer an der Spitze, der unerbittlich sein
Eisenschwein gen Osten trieb, dicht gefolgt von Stoppel, Burkhard mit Gespann, ich mit der Dnepr
und zum Schluss Janne mit der Pannonia und 1:25 Gemisch, um etwaige Spuren zu
verwischen

Lief alles bestens, aber eigentlich wollten wir doch auch a bissel schrauben. Will denn
hier nüscht kaputt gehen?
Endlich mal ein Signal – der Schalthebel schien bei Lorchen etwas gelockert.
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Irgendwann um die Mittagszeit machte sich bei mir dann die übliche
Mittagsmüdigkeit beim Fahren breit. Ich dämmerte so auf der Dnepr dahin, bis mir
plötzlich die rot leuchtende LLK ins Sichtfeld kam. Kurzer Blick auf mein Mini-Temu-
Voltmeter: 12,x statt der üblichen 14,x Volt – „Housten, wir könnten ein Problem
haben“.
Auf jeden Fall war ich schlagartig wieder wach, schnell den Zündschlüssel auf
Grundstellung (nur Standlicht) gedreht und glücklicherweise steuerte Lore eh gerade
den nächsten Tankrastplatz an – Mittach stand an.
Mal nach den Kabeln geschaut – alles fest. Anderen Regler eingebaut, Maschine
angeworfen – keine Spannung am Lima-Ausgang.
OK, dann noch mal alle Kabel von der Lima abgezogen und direkt 12V von der
Batterie auf den Anschluss der Erregerspule gelegt, Motor gestartet und Gas
gegeben – ebenfalls keine nennenswerte Spannung am Lima-Ausgang - dann habe
ich wohl ein Lima-Problem. Ob’s die Schleifkontakte sind oder irgendwo die
Gleichrichter durch sind – keine Ahnung und keine Zeit dafür. Weiterfahrt dann
ausschließlich mit Batteriestrom möglich – die Frage ist nur wie lange … Wir waren
noch vor der Weichselbrücke und damit ca. 250 km vom Ziel entfernt. Also wie bei
Apollo 13, alle überflüssigen Verbraucher abklemmen bzw. einfacher ausgedrückt:
Nur Strom für die Zündung bereitstellen. Ich hatte ein langes Kabel mit
Krokodilklemmen dabei, klemmte damit Batterie-Plus direkt nach vorne zur
Zündung, kurz den Motor gestartet – funktionert ...
Mittlerweile hatte Janne allerdings ein anscheinend schon länger abgestelltes Auto
(Renault 19 oder so) im angrenzenden Wald entdeckt, da schlenderten wir mal mit
etwas Werkzeug unauffällig hin. Wollen doch mal sehen, wie es mit der Batterie dort
aussieht. Da aber nur noch 1,3 Volt registriert wurden, haben wir das Vorhaben
vorzeitig abgebrochen, sonst hätten wir nicht lange gefackelt - jetzt klauen schon
Deutsche in Polen Autobatterien – wo gibt’s denn sowas
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Nun ging’s mit Batteriestrom in der Kolonne weiter. Strom war plötzlich teurer als
Benzin. Eine Überlegung war noch, falls meine Batterie irgendwann leer ist, mit
Burkhard’s 12V Batterie zu tauschen, weil diese durch die eingesetzte Vape-Lima
nicht wirklich bei ihm benötigt wurde, sondern nur als eine Art Kondensator diente
und meine Batterie wieder dann aufladen könnte.
Außerdem hatte ich ein Abschleppseil mit - aber wer will denn so einen Eisenbrocken
mehr als 10 km abschleppen?
Mussten wir dann nicht mehr ausprobieren, denn meine Batterie hatte ohne
Probleme bis nach Stürlack durchgehalten, wo wir aus Herzlichste begrüßte
wurden!
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Wir waren ja in 4 verschiedenen Gruppen unterwegs, es fehlt jetzt nur noch die
Gruppe Martin und Thomas.
Am nächsten Tag war dann Basteln angesagt.
Also bei der Dnepr die Lima ausgebaut.
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Hm, mir kam es schon etwas komisch vor, dass sich beim Drehen des Stirnrades auf
der einen Seite das Lüfterrad am anderen Ende nicht mitdrehte. So kompliziert
bauen die Russen doch nicht! Von einer Fliehkraftkupplung oder Ähnliches hatte ich
jedenfalls bis jetzt noch nichts gehört. Beim Aufschrauben kam dann die Ursache
zum Vorschein: Sauberer Wellendurchbruch – sie konnte nicht mehr funktionieren.
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OK – dann gab’s beim gemeinsamen Überlegen (immer wieder interessant, was beim
Gruppennachdenken für Ideen herauskommen) dann 3 Möglichkeiten, wie es
weitergehen könnte.
1. Jemanden finden, der die Welle einfach am Rand wieder zusammenschweißt, aber
eben so, dass kein Unrundlauf beim Drehen auftritt.
2. Eine Ersatz-Lima organisieren. Und tatsächlich hatte Janne in Ebay einen
polnischen Händler gefunden, der so eine 150W-LIMA im Angebot hatte. Wir waren
ja noch 5 Werktage in Polen, muss doch zeitmäßig möglich sein, dass Ding zum
Hotel zu schicken. Kurze Frage und schnelle Antwort vom Händler bekommen. Hat
zur Zeit keine Lima im Angebot. Komischerweise stand die Lima auch am Folgetag
noch drin. Egal, man muss nicht alles verstehen. In Deutschland kannte ich auch
einen Händler, der sowas hat - aber ob das nun alles rechtzeitig da ist?
3. Die dritte Variante erschien mir am einfachsten, denn wir hatten mittlerweile
herausbekommen, dass die Dnepr im laufenden Betrieb ca. 0,7 A Strom nimmt.
Wenn der Motor nicht läuft, waren’s gleich 3 A – also immer schnell die Batterie
abschalten, wenn das Ding steht.
Fahren wir doch mal nach Rastenburg – Reuty kannte einen Autoteile-Laden, wo uns
Heiko freundlicherweise hinkutschierte.
Vorher musste noch zur Abdichtung die kaputte LIMA wieder ran, bzw. eigentlich nur
noch der vordere Teil davon, weil ansonsten Ölaustritt durch Schleuderöl drohte.
Burkhard kam dann auf die geistreiche Idee, das Stirnrad samt Lager einfach
umzudrehen und quasi von der anderen Seite wieder einzusetzen, alten Lappen mit
Kabelbindern noch befestigen – fertig ist die Abdeckung!
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In Rastenburg gleich mal eine 50A PKW-Batterie + Batteriestromgerät und für Reuty’s
Sohn noch einen Reifen erstanden. Überlegung: Bei 0,7A Stromaufnahme hält die
Autobatterie ewig …
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Dann hatte ich mir noch eine weiße Tüte im Supermarkt beim Schokoladekaufen
besorgt, um die Batterie auf dem Hintersattel vor neugierigen Blicken zu schützen –
aber ist sie denn wirklich blickdicht?
Deswegen wurde vorher ein Test an einem Mitfahrer durchgeführt und wie man
sieht, sieht man nichts

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Genutzt habe ich die große Batterie erst auf der Rückfahrt. Alle anderen Fahrten, z.B.
auch nach Litauen zu Jannes Kumpel mit 350 Tageskilometern konnten mit der
vorhandene Batterie, die auch 12AH hatte, bewältigt werden.
Wie schon erwähnt, hatte jeder was zu Basteln. Bei Burkhard war’s der hintere
Reifen, ebenso wie bei der HUFU von Nils:
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Zwischendurch (bei mir wieder mal) eine undichte Benzindichtung erneuert, wobei
Janne die passende Dichtung hatte und mit Burghard’s Hilfe das Ganze getauscht
wurde.
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Die Rückfahrt:
Eine Woche später ging es wieder morgens um vier los, um ordentlich Kilometer
machen zu können. Verlief aus meiner Sicht in der ersten Hälfte ganz ok.
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Janne musste unterwegs irgendwann mal auf eine zusätzlich eingebaute Zündspule
umschalten. Beim Testlauf lief die Pannonia wie ein hochgezüchteter Rasenmäher
los – kurz vorm Abheben ging sie dann endlich aus. War wohl ein Ölkrümel an der
Zündkerze verantwortlich.
Bei mir stellten sich während des Fahrens – denke mal 2/3 der Strecke hatten wir
hinter uns - leichte Zündaussetzer ein, die ich erst einmal vollständig ignorierte.
Konnte eh nicht ermitteln, ob’s der linke oder rechte Zylinder war und bis Berlin
konnte ich damit leben.
Aber wie das so ist, häuften sich die Aussetzer und wurden auch länger – es wurde
nervig. Beim nächsten Stop mal auf beiden Seiten die Zündkerzen gewechselt,
Maschine gestartet – läuft.
Dann so nach 10 Minuten ging das Spiel wieder los – die Aussetzer wurden noch
länger. Wieder angehalten, aber keinen Fehler gefunden.
Dann irgendwann fiel beim Weiterfahren dann ein Zylinder komplett aus. Aus Wut
habe ich weiter Vollgas gegeben, die Hütte lief dann so zwischen 60 bis 70 km/h, was
natürlich nicht ewig so weitergehen konnte. Wechselseitiges Abziehen des
Kerzensteckers beim Fahren – aha der linke Zylinder verweigert die Arbeit. Also mich
noch mal bemerkbar gemacht, an der nächsten Tanke angehalten. Links noch mal
den Zündkerzenstecker gewechselt und auch die Abdeckung zur Zündung samt
Zündspule entfernt. Es war mittlerweile wieder recht warm – vielleicht lag’s daran.
Anschließend wieder los. Vorher schon mal Bescheid gegeben, dass – falls ich mit
dem Arm ein Signal gebe - dann alleine weiterfahren werde, um den Pulk nicht noch
länger aufzuhalten. Irgendwie wäre ich schon weitergekommen. Außerdem hatte ich
noch eine komplette Ersatzzündung im Gepäck. Aber siehe da, auf einmal lief der
Bock wieder ohne Störung und ich war wieder im Rennen !!!
Traditionell haben wir dann in Küstrin noch mal aufgetankt und letzte Einkäufe vor
der Grenze getätigt. Wir haben’s fast geschafft.
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In Strausberg angekommen, kurzes Verschnaufen – dann ging wieder jeder seiner
Wege. Vorher gab’s noch einen zackigen Fahnenappell, wo Janne dem Lorchen
meldete, dass alle 5 Sumpfmöhren ordnungsgemäß auf eigener Achse wieder am
Ausgangspunkt zurück sind – kann aber auch sein, dass ich das nur geträumt habe

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Auf jeden Fall hatten wir wieder eine Menge Spaß und Spannung in der Woche
gehabt. Man könnte noch viel mehr berichteten, wie schon die oben erwähnte Fahrt
nach „Kudirkos Naumiestis“ oder das Abrechnungschaos, was wir mit dem
polnischen Restaurant hatten oder die Überlegung von Stoppel und Lorchen, das
erste Bier gleich nach dem Frühstück zu trinken oder doch erst bis Mittach zu warten
...
Ich war dann kurze Zeit später wieder in Berlin angekommen – Feierabend!
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Mit superelastischen Grüßen
Jörn
P.S. Eine Woche später haben meine Frau und ich an einer organisierte Fahrradtour
an der polnischen Ostsee teil genommen. Wir hatten einen Reiseführer – Wladek.
Als ich ihm ein Foto von der Dnepr zeigte und ihm sagte, dass wir in den Masuren
unterwegs waren, sagte er sofort. Dann wart ihr neulich am Dienstag in der
Wolfsschanze gewesen. Ich habe auf dem Parkplatz da eure Motorräder gesehen.
Die Welt bzw. Polen ist klein ...
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Gespann Dnepr MT11 ca. 1970