Hehe, nochmehr Senf gefällig?

Ich hab mir als kompletter Motorradanfänger (technisch, wie auch fahrerisch), handwerklich/technisch jedoch nicht völlig unbegabt mein Motorrad mit Hilfe selbst zusammengebaut. Ist alles noch nicht fertig (so, wie ich es will), ich schätze, ich hab bis jetzt etwas über 1000 Euro (inkl. Anschaffung, ohne Amtssschimmelgebühren) reingesteckt.
Das Motorrad beim Kauf:
TS250 (/0), ETZ-Motor (damit auch 12V) mit Unterbrecherzündung, ETZ-Gabel mit Scheibenbremse, nicht fahrbereit. 450 Euro.
Umgebastelt:
Gabel komplett überholt mit TS/1-Klemmköpfen, Federn hinten neu, Motor komplett überholt (Zylinder & Kolben haben wir gelassen), Elektrik komplett selbst gestrickt, Flachstecksicherungen, neue Batterie, Hinterrad und Vorderrad poliert und neu eingespeicht (Edelstahl), dabei vorne auf 16" umgebaut, komplett NQ-Bereifung, Motorschuhe aufgedoppelt, Schwinge von ETZ übernommen (umgeschweißte Federbeinbefestigungen), MZ-Scheibenbremskram komplett überholt (Rep.-Sätze vom Güsi), Stahlflexbremsleitung, Sonderlenker, neue Bowdenzüge von Bowdenfix. Alles eingetragen, bis auf die Schwinge... wird aber noch gemacht. Alles selbst gemacht (mit Hilfe), bis auf das Zentrieren der Laufräder und die Schweißarbeiten an der Schwinge.
Je nachdem, wie du dir das vorstellst... ich für meinen Teil wollte ein zuverlässiges, "möglichst zeitgemäßes" Fahrzeug, an dem ich viel selbst machen kann, dafür aber auch in Kauf nehme, ggf. viel selbst machen zu müssen. Nach den ersten 3000km innerhalb von ziemlich genau 2 Monaten kann ich sagen, sie ist zuverlässig. Ein paar elektrische Dinger waren drin, aber da war ich in gewisser Weise durch's "Selbermachen" schon sensibilisiert. Bislang bin ich immer angekommen, meine beiden Winterschlampen (Golf3/Audi80) haben diesen Winter zusammengenommen über einen Zeitraum von zusammen ca. 3-4 Monaten nicht diese Laufleistung erzielt. Hier kann man sich eben mal nicht "fix selbst helfen". Auch die Elektrik war bislang absolut ausfallsicher (siehe o.g. Problemchen, die aber nur logisch aus meinem Umbau auf Flachstecksicherungen folgten), auch bei Starkregen, wo anderen das Haus wegschwimmt. Ich bereue rein gar nix, obwohl ich mich anfangs oft gefragt habe, ob das die richtige Entscheidung war.
Ich fahre immer montags auf Arbeit in eine andere Stadt und freitags zurück nach Hause, also Wochenendpendler. Eine Strecke sind montags ziemlich genau 85km (70km AB, 15km Stadt), dafür brauche ich (ohne montag früh zu tanken oder sowas), wenn ich zeitig genug losfahre circa eine Stunde. Wenn ich später losfahre und der Verkehr dichter wird, brauche ich länger. Montags fahre ich ausschließlich Autobahn, da will ich nur ankommen. Freitags versuche ich, auch mal Überland zu fahren, sonst sind die Reifen ruck-zuck eckig. Da reichen die Strecken von ca. 75km Bundesstraße mit knapp 2 Stunden (wegen Bummelanten, Ampeln in den Durchgangsorten, aber auch Dränglern und gefährlichen Überholern) bis ca. 100km über kleinere Straßen, wo ich wohl auch ca. 2 Stunden brauchen sollte (hab die Strecke noch nicht komplett probiert). Das kann auch gut mal Spaß machen, obwohl es primär darum geht, von A nach B zu kommen. Wenn ich's eilig habe, fahre ich auch Freitag Autobahn.
Gut, im Gegenteil zum Trabimotorrad bin ich blutiger Anfänger. Montag morgen schlaucht schon, das muss ich zugeben. Auf der Bahne sollte man auch nicht grundsätzlich denken "100km/h, da ist noch Reserve und der LKW da vorne ist meiner", denn die PKWs haben zu 99% schlichtweg mehr "Reserve". Da kommt mal ein Berg und schwupps, isses vorbei mit der "Reserve". Ich kann die 150er kaum beurteilen (Außer TS150, mal probegefahren, absolut kein Vergleich, sowohl, was Motorleistung, als auch Bremsleistung angeht!), muss aber einem Kollegen Recht geben: "Warum ein Pony, wenn du ein Pferd haben kannst?" - Gerade auf der Autobahn! Sicherlich geht das alles auch mit einer 150er (allerdings ausschließlich ETZ, die TS (und älter) würde ich da nicht nehmen), aber wenn du das Ganze regelmäßig (!) vorhast und nicht nur Wochenendfahrer werden wirst, dann nimm besser die 250er. Anstrengend wird es damit nämlich auch schon genügend!
Bei mir haben sich allerdings nun auch noch ein paar "Wünsche" ergeben, denen ich - kommt Zeit, kommt Bastelei - mich mal irgendwann widmen will:
Umbau auf komplett 18"-Bereifung, da die 16er vor Allem auf der Bahne doch etwas unruhig sind. Kann auch an der Vorderradfelge liegen, aus der war nicht mehr Rundlauf rauszuholen. Umbau auf 2x unterer Klemmkopf ETZ, damit weiterer Gabelholmabstand und bessere Verfügbarkeit eines Gabelstabis. Tank soll noch anders werden, dazu Eigenbausitzbank und Höcker. Umbau auf Hinterradantrieb komplett ETZ, weil bessere Lagergestaltung und bessere konstruktive Gestaltung. Elektrikkomponenten mit Eigenbaukram neu, Gleichrichter, Regler (elektronisch, muss ich mal gucken) und Zündverstärker sollen zwischen den Rahmenrohren Platz finden. Ölflasche dann entweder in rechten Seitenkasten oder Höcker oder in ein Tankfach (Stimmt's, Janne...

), weiters Bordwerkzeug, 1.-Hilfe-Ersatzteile und möglicherweise die Batterie in den Höcker. Auf den Höcker dann eine Art "Gepäckrost" für die Gepäckrolle. Und natürlich jede Menge "Kleinkram", der immer länger dauert, als man denkt. Was ich ganz besonders wichtig finde: Eine praktische Anordnung des Ölvorrats! Für Wochenendfahrer mit viel Zeit isses das Eine, wenn du früh morgens auf Arbeit hast und eine gewisse Eile herrscht, nervt es einfach nur, irgendwo die Ölflasche herauszukramen...
In diesem Sinne meine 1. Aussage: Alltagstauglich und auch für's Pendeln auf jeden Fall geeignet. Verschleiß wird sich trotzdem (oder: gerade deshalb!) einstellen und das kostet auch Geld. Allerdings ist der Hinterreifen billiger, als für ein größeres Motorrad, ne? Und die meisten Wartungsarbeiten (und mehr) kann man eben selbst machen - kostet nur Teile und Zeit, man lernt noch nette Leute kennen und man weiß (sicher!!), was man wie wo gemacht hat.
2. Aussage: Nimm eine 250er. Mit einer ETZ hast du weniger Umbaubedarf, mir gefällt die TS einfach besser. Die TS aus obigem Link wäre eine gute Sache, da haste die Scheibenbremse schon mit dabei. TS/1-Motor vs. ETZ-Motor ist Geschmackssache, aber die hauseigene ETZ-12V-Anlage ist schon was feines.
Ciao
Wolle
P.S.: Mein Verbrauch liegt bei ca. 5l/100km.
P.S.P.S.: Mit meinem - derzeit nicht fahrbereiten - VW T4 102PS TDI benötigte ich bei gemäßigter Fahrweise (also 120-130km/h) ebenso etwa eine Stunde für meine Strecke. Allerdings ist "Einsteigen, losfahren" etwas anderes, als die Anziehprozedur (Kombi, Helm, Handschuhe, ggf. Regenkombi) und das Gepäckaufsatteln beim Motorrad. Das habe ich in meiner Zeitrechnung nicht berücksichtigt. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich mich im Stau mit dem Motorrad noch schön brav anstelle... irgendwann werde ich mir selbst aber mehr zutrauen und dann sicher einen Vorteil gegenüber 4-rädrigen Fahrzeugen haben. Auf der anderen Seite stören mich lange Autobahnbaustellen derzeit nicht im Geringsten...
