Nabend,
gestern hatte ich wie angekündigt, Zeit den Motor auszubauen und zu zerlegen.
Zielstellung: Ursache finden und beheben.
Rahmenbedingung: So wenig wie möglich dabei zu demontieren.
Wobei ich das sicher nicht auf die Spitze getrieben habe.
Ich nehme Euch bei der Aktion mit.
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Als erstes mal die Werkstatt vorbereitet, ein wenig Platz ringsum geschaffen und los gings.
Das war so gegen halb zehn...
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Die Mutter, welche den Tacho antreibt und das Kupplungspaket auf den Konus presst, musste ja zur Demontage des Kupplungsdeckels weichen.
Mir ist das aber nichts, wenn ich an dem Motor arbeite und das Paket nicht gesichert ist.
Also schnell eine Kugellager gesucht und dieses als Platzhalter des eigentlichen Lagers genutzt.
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Nun kann die Demontage weitergehen...
...Auspuff ab, Fußrastenträger demontiert, Sitzbank abgenommen, Elektrik der Vape aus dem Bordnetz entfernt, Kette runtergenommen, Luftschieber und Choke abgeschraubt...
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Fertig zum Ausbau.
Die Halteschrauben des Motors demontiert, vorher noch den Fahrwagenheber drunter, damit die Demontage nicht so schwer fällt.
Bin ja nun auch keine Zwanzig mehr.
Motor ausgebaut und auf die Werkbank verfrachtet.
Eine Stunde nach Beginn, war der Motor draußen.
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Wenn man schon solch eine Aktion macht, guckt man sich alle Komponenten die man dabei in den Händen hält, mal genauer an.
Der Kolben hat schon gut was hinter sich.
Ich bin aber kein Freund, gesundes Material einfach so zu ersetzen.
Die Garnitur ist noch eine Originale, die Fahrleistungen des Gespannes absolut im Rahmen (97km/h nach GPS, mit zwei Mann in der Ebene reichen mir völlig)
Meine selbst geschnitzte Zylinderfußdichtung ist auch komplett heil geblieben.
Mal schauen, ob ich diese vielleicht noch einmal verwende.
Diese mache ich immer selbst, weil die im Handel erhältlichen Dichtungen nie vernünftig passen.
An manchen Stellen ragen sie in die Kanäle und an anderen Stellen stehen sie zurück, was auch wieder Kanten in den Kanälen darstellt.
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Was man hier nicht so unbedingt sieht, ist die vorangegangene Egalisierung der Übergänge der Überströmer.
Das war fertigungsbedingt immer ein Graus.
Der richtige Zeitpunkt für solch eine Aktion ist eine Motorrevision, wo eh alles auseinander ist.
Das benötigt aber Geduld und Spucke und mach längst nicht jeder.
Außerdem paart man einen Zylinder, passend zum Gehäuse.
Nach Zylindertausch passt das dann in der Regel nichtmehr.
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Weiter gehts mit Ritzel abziehen und Vorbereitung der Gehäuseöffnung.
Da ich ja so wenig wie möglich demontieren wollte, bleibt der Primärantriebsteil, nebst Kupplung montiert.
Also bin ich auf die kleine mobile Werkbank umgezogen.
Damit das Motorgehäuse bei den Folgearbeiten nicht auf der Kupplung liegt, hab ich mir vor Jahren eine ausgediente Rutsche zum Montagebock umgebaut.
So lässt es sich gut arbeiten.
Mit zwei Gasbrennern hab ich nach Demontage der Gehäuseschrauben und zurückschlagen der vorderen Führungshülse vorbereitet, das Gehäuse auf gut 100°C erwärmt.
Aufpassen muss man bei der Methode unbedingt auf die WeDi´s und den Leerganganzeigeschalter.
Dicke Handschuhe angezogen und mit einem Gummihammer zwei leichte Schläge gegen das obere Gehäuse ausgeführt...
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...und offen war das gute Stück.
Alte Dichtung entfernen geht dank Hylomar und ein Lappen mit Verdünnung sehr gut.
Jetzt kommt der spannende Teil:
Fehlersuche...
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Man sieht schon die unnatürliche Stellung der Rückstellfeder.
Im nächsten Bild, sieht man nach der Demontage der Schaltwelle was da los ist.
Tja, steckt man halt nicht drinnen.
Hat ungefähr vier Jahre gehalten.
Die Schaltwelle gefiel mir auch nicht, da sich der Nullring der Gehäusedichtung in die Welle gearbeitet hatte.
Also auch neu machen.
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Was jetzt Spaß macht, wenn man aus den Vollen schöpfen kann, weil man über Jahre auf Teilemärkten unterwegs war und noch zu vernünftigen Preisen einkaufen war.
Also eine gut gebrauchte Welle mit neuer Feder versehen und wieder montiert.
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Die Montage erfolgt in umgekehrter Reihenfolge.
Als der Motorblock wieder zusammengebaut war, brauchte ich für die Kupplungsseite eine neue Dichtung.
Hatte aber keine zur Hand.
Was war zu tun?
Zwei Möglichkeiten:
Erste Variante wäre ein Bogen Zeichenkarton in der entsprechenden Stärke zu nehmen, diesen grob auszuschneiden und mit den schmuddeligen Pfoten die Gehäusekanten abzureiben, damit ein 1:1 Abdruck entsteht.
Danach Mühsam mit ner Nagelschere ausschneiden.
So mach ich das übrigens auch mit den Zylinderfußdichtungen.
Zeichenkarton geht als Gehäusedichtung wunderbar.
Man kann ihn in mehreren Stärken kaufen.
Die zweite Methode ist die vornehm moderne Methode.
Diese setzt allerdings moderne Technik und den entsprechenden Umgang damit voraus.
Also ein Foto der Dichtung im Netz gesucht, entsprechend skaliert und nachgezeichnet.
Die Zeichnung in einen NC-Code umgewandelt und damit den Laser gefüttert...
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...Raus kam dann meine neue Dichtung.
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Damit konnte ich die Montage des Rumpfes abschließen.
Der Kolben hatte einen leicht festgebackenen Kolbenring.
Das wurde auch gleich noch korrigiert.
Danach wurde der Motor wieder in das Krad gehängt.
Die Werkstatt aufgeräumt und eine erfolgreiche Probefahrt durchgeführt.
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Halb sechse war alles getan.
Das Bier mit anschließendem Grillabend war ein runder Abschluss des arbeitsreichen Tages.
Der Defekt war also ein altbekanntes Problem bei der Motorkonstuktion.
Die Grauzone war der Anriss und nicht ein Abriss an der Feder.
Deshalb hatte sich das so merkwürdig beim Fahren angefühlt.
Na jedenfalls lässt sich das an einem Tag recht gemütlich beheben.
Das ist dann aber eine Reparatur und keine Revision an dem Motor.
Gruß Rally
-- Hinzugefügt: 18. Mai 2026 16:59 --Tach jesacht,
Ich hab noch eine Frage zur Schaltfeder.
Gibt es da unterschiedliche Drahtdurchmesser bei den originalen Federn?
Ich hab da eine Feder mit einem 0,2mm dickeren Drahtdurchmesser in meinem Fundus.
Die anderen drei sind gleich.
Kennt sich damit jemand aus?
Gruß Rally
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Zweirädriges dreirädriges und vierrädriges... na gut, ne Schubkarre hab ich auch noch.