ETZ150 (10,5 kW) mehr Durchzug

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ETZ150 (10,5 kW) mehr Durchzug

Beitragvon janic74 » Gestern 20:22

Bei meiner ETZ150 (10,5 kW) steht eine Motorenüberholung an. In dem Zuge würde ich ihr gern etwas mehr Durchzug von unten her spendieren. Ich habe im Forum schon viele Hinweise gefunden, oftmals unter dem Stichwort "zieht nicht richtig". Da diese Freds jeweils ihre eigene Thematik hatten, habe ich das, was für (m)eine ETZ150 passen könnte, hier mal zusammengetragen. Und würde gern von euren Empfehlungen oder Erfahrungen profitieren.

Vorab, ich will gar nicht schneller fahren. Und auch die Leistung, die der 10,5 kW-Zylinder ab 5.500 U/min bringt, reicht mir. Wenn die Leistungsentfaltung nur schon etwas eher starten würde …

Tatsächlich bin ich mittlerweile eher auf den kleineren Landstraßen unterwegs, wo Durchzug wichtiger als Höchstgeschwindigkeit ist. Aber die 100 km/h sollten schon noch drin sein.

Nach vielem Lesen habe ich folgende Optionen gefunden:

1. Umbau auf 9 kW bei 15er Ritzel
Wäre vermutlich die preiswerteste Variante. Schafft die Maschine dann noch 100 km/h? Sie müsste dafür im 5. Gang ca. 6.200 U/min drehen, was oberhalb der 5.800-6.000 U/min ist, wo die max. Leistung anliegt. Ist das drin? Und hält der Motor das auch eine Weile durch oder ist das nur für einen kurzen Sprint möglich?
Vor vielen Jahren hatte ich probeweise schon mal auf 9 kW umgebaut, aber mit 16er Ritzel. Das hat mich nicht so begeistert, da gerade im Hügelland ein bisschen die Puste fehlte.

2. 26er Vergaser am 10,5 kW-Zylinder inkl. Aufbohren des Einlasses auf 26 mm
Die Kommentare im Forum lesen sich vielversprechend ("zieht jetzt richtig, auch im 5. Gang"). Verbessert das tatsächlich auch den Durchzug von unten her? Oder bleibt es die etwas spitze Charakteristik der 10,5 kW-Version?
Würde es ggf. Sinn machen, den 9 kW-Zylinder auf 26 mm Einlass aufzubohren oder kann dieser das zusätzliche Ansaugvolumen nicht "verdauen"?

3. Tuning mit Anpassung von Steuerzeiten und/oder Zylinderkopf
Es gibt hier im Forum einige Leistungsdiagramme (vor allem der 160er/164er ETZen) mit sehr schönen Drehmomentkurven. Allerdings sind dann gern mal 20 PS ausgewiesen. Mir wäre lieber, wenn die Leistung noch so ungefähr mit den Angaben im Kfz-Schein zusammenpasst. Oder anders, bei der Wahl zwischen 20 PS oder einem schön breiten Drehmomentband, würde ich das zweite wählen.
Daher, kann man dem 10,5 kW-Zylinder bzw. dem Zylinderkopf durch entsprechende Bearbeitung mehr Drehmoment von unten her verleihen ohne oben gleich die 11 kW zu überschreiten? Oder sollte man hierfür besser einen 9 kW-Zylinder nehmen?
Wichtig ist mir, dass das Ganze alltagstauglich bleibt. Ich würde gern 200 km mit einer Tankfüllung kommen und weiterhin Gemisch mit 1:70 oder vielleicht sogar mal 1:100 fahren.

Gibt es vielleicht noch andere Optionen? Den Fred "Antituning" habe ich gelesen. Solche Metallarbeiten kann ich leider nicht vornehmen, da fehlt mir ein bisschen die Ausrüstung und aber vor allem die Zeit. Ich habe daher gezielt solche Maßnahmen gesucht, die man gut separieren kann (wie z.B. das Aufbohren des Einlasses), auch wenn das vielleicht noch nicht das Optimum ist.

Vielen Dank für eure Tipps und schönen Abend.
Jan

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Re: ETZ150 (10,5 kW) mehr Durchzug

Beitragvon Steffen G » Gestern 21:02

Hi!
Beachte, dass es da enorme Serienstreuungen gibt.
Bei uns im Dorf vor 37 Jahren war das schnellste 150 er Motorrad eine 150er TS. Ungetunt, die ging einfach gut.
Dann war ich mit meiner 150er ETZ mit 10,5 kW der Nächste,
und die Leute mit den 9 kW- ETZ´s waren unterschiedlich, da gab es auch welche, die fast genau so schnell waren wie meine. Also mal 2 oder 3 km/h. Auch je nach Wetter und Temperatur.
Mehr Unterschied war da nicht.

Die 9 kW haben sich etwas entspannter fahren lassen, beim 10,5 kW Motor muss man schon bisschen höhere Drehzahlen fahren, und mehr schalten, aber das hat mir Spass gemacht.
Also ich rede hier über ungetunt, paar Leute haben dann wie üblich den Auspuff durchlöchert, aber das waren dann nicht die schnellsten Karren.

Und ja, ich hab auch wieder eine 10,5 kW ETZ aktuell, die geht ganz gut und ich bin sehr zufrieden damit. Im Alter muss ich auch keine Rennen mehr damit fahren, aber der hochtourige Motor macht mir immer noch Spass.
Manchmal packt es mich, so bis 7500 dreht der flott hoch und zieht auch ordentlich, das koste ich schon mal aus.

Normalerweise kann man solche Änderungen am besten mit dem Auspuff machen, und vielleicht bei dem heutigen Kraftstoffen auch noch etwas die Verdichtung erhöhen.

Musst du selbst wissen, ich mach das nicht.

Aber was gut und legal ist:
Ich hab mir vor 3 Jahren mal so eine Boost-Bottle angebaut, auch wenn die kleiner ist als wie es ist wenn man es berechnet. Ich hab seitdem einen super schönes Standgas, und sehr gutes Ansprechverhalten daraus.
Ich konnte dann gleich den Vergaser nochmal neu einstellen, und zwar etwas magerer. Das ist eine super Sache.
Grüße, Steffen !

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Re: ETZ150 (10,5 kW) mehr Durchzug

Beitragvon Schleizer » Gestern 21:59

Moin, ich antworte mal zu deinen bereits gefundenen Möglichkeiten und ergänze noch ein paar.

janic74 hat geschrieben:1. Umbau auf 9 kW bei 15er Ritzel


Umbau auf den "schwächeren" Zylinder verbessert die Fahrbarkeit bei niedrigen Drehzahlen tatsächlich, aber wie du bereits festgestellt hast fehlt dann Leistung.

janic74 hat geschrieben:2. 26er Vergaser am 10,5 kW-Zylinder inkl. Aufbohren des Einlasses auf 26 mm


Ja, wird wahrscheinlich helfen. Aber weniger als du dir vielleicht erhoffst. Zumindest wenn der Rest gleich bleibt.

janic74 hat geschrieben:3. Tuning mit Anpassung von Steuerzeiten und/oder Zylinderkopf


Du hast ja bereits die "getunten" Steuerzeiten, du solltest eher versuchen zu zahmeren zu wechseln. Eine einfache 164er mit zahmen Steuerzeiten hat etwa 17PS, je nach genauer Ausführung. In der Regel haben 164er auch deutlich mehr Verdichtung, was dem Drehmoment sehr zu gute kommt. Als einfachste Maßnahme könntest du deine Quetschkante kontrollieren, die sollte bei 0,9 bis 1,2 mm liegen. Du solltest versuchen, möglichst nahe an 0,9 mm zu kommen.

4. Auspuff

Das allerwichtigste am ganzen Motor ist, keinen schlecht nachgebauten Auspuff zu verwenden. Entweder original oder einen ganz genauen Nachbau. Es lässt sich am Auspuff nicht viel gegenüber der Serie verbessern, aber man kann auf jeden Fall viel verschlechtern. Es gibt auch z.B. einen Auspuff von FP Tuning mit größeren Krümmer, aber ob der bei einem originalen 150er eine Verbesserung bringt weiß ich nicht.

5. Zündung

Mehr Vorzündung hilft dem Drehmoment bis zu einem gewissen Grad, bei höheren Drehzahlen muss dann aber auf spät verstellt werden. Das schont den Motor und erhöht die Höchstleistung. Eine solche Verstellung bietet die Zündung von RZT. Es macht einen deutlichen Unterschied, besonders gegenüber einer Unterbrecherzündung. Allerdings bringt es mehr, einfach einen 164er zu verbauen. Ansonsten sollte der Zündzeitpunkt natürlich stimmen, am besten an die originale Anleitung halten.

6. Reifen aufpumpen

Reifen aufpumpen verringert die Verlustleistung und bringt mehr, als einige der obigen Maßnahmen. Das selbe zählt auch für die Verkleinerung des Bierbauchs, so denn einer vorhanden ist.

Zur Legalität hilft nur ein Gang zur örtlichen Prüforganisation. Falls die Mitarbeiter nicht motiviert sind dir zu helfen, fahr zur nächsten. Auf den käuflichen 164ern steht meist die 125 angegossen, ein Schelm wer böses dabei denkt.

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Re: ETZ150 (10,5 kW) mehr Durchzug

Beitragvon Mechanikus » Gestern 22:04

Bevor man Veränderungen am Motor vornimmt, muß klar sein was man will. Das ist hier ausnahmsweise mal der Fall. Die Ansage ist klar: Leistungssteigerung nicht erforderlich, Drehmomentverlauf soll verbessert werden.
Nun ist es sinnvoll, Maßnahmen zu ergreifen, die den Forderungen gerecht werden. Das heißt, das übliche auf Höchstleistung bei hohen Drehzahlen ausgerichtete Tuning scheidet aus. Soll heißen: Leistung bei Drehzahl x ist genügend, daher ist es unsinnig einen größeren Vergaser anzubauen. Damit kann man den Drehmomentverlauf nicht beeinflussen. Steuerzeiten ändern Ist nur bedingt sinnvoll, weil bei der ETZ schon weitestgehend ausgereizt bzw. sogar überreizt.
Meine klare Empfehlung: Einen Zylinder der 12 PS Variante besorgen und dort eine sorgfältige Kanalbearbeitung im Sinne erhöhter Stömungsquerschnitte bei weitgehend originalen Steuerzeiten durchführen (Vorauslaß und Überströmer sind dabei sicher noch diskussionswürdig). Augenmerk auf die Ausrichtung der Spülströme legen. Einen ca. 20 mm längeren Krümmer verbauen. Die Maschine ist danach nicht mehr wiederzuerkennen.

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