Mechanikus hat geschrieben:Die 100 km/h sind nicht als solches das Problem für die Kette. Hier geht es vielmehr um eine Sache der Geometrie am Kettentrieb. Eine Schwinge beschreibt einen Radius um den Schwingendrehpunkt, wobei das Kettenritzel immer vor diesem Drehpunkt liegt. Dadurch ergibt sich im aus bzw. eingefederten Zustand ein Kettendurchhang. Da ist also bei richtig eingestellter Kette nur die Zugkraft (+ eventueller Beschleunigungskräfte aus der Federung) in Kettenrichtung wirksam.
Anders jedoch bei Geradewegfederung. Da ist der maximale Kettendurchhang irgendwo im Bereich des mittleren Federwegs zu finden, in den Endlagen jedoch strafft sie sich. Je schneller nun ein Fahrzeug mit ungedämpfter(!) Geradewegfederung wird, desto heftiger flattert die Federung und erreicht durch sich aufschaukelnde Eigenschwingungen oft die Endlagen. Hier addiert sich also zur Zugkraft schlagartig in Intervallen noch die volle Federkraft aus der Hinterradfederung. Das ist schon eine deutlich höhere Belastung der Kette. Der richtige Kettendurchhang ist also eine ganz wichtige Sache, die dort immer gut zu überwachen ist. Die Wärmeableitung des Kettenkastens spielt übrigens in der Praxis keine Rolle. Da gab es in der Vergangenheit überhaupt erst Handlungsbedarf bei Fahrzeugen über 350 ccm.
Zurück zur Kette. Wahrscheinlich hast Du recht, mit einer Motocrosskette sollte das Problem in Griff zu kriegen sein. Mit einer solchen konnte ich auch das Kettenpeitschen meiner DKW ganz gut abstellen. Das ist aber nur ein Aspekt. Bei der RT ist das Fahrwerk mit Sicherheit der reglementierende Faktor. Daher meine Fragen warum unbedingt 100 km/h. Im Prinzip ist ein Starrahmen bei sportlicher Fahrweise noch besser auf der Straße zu halten als eine lustig springende Hinterradfederung. Man müßte über Zusatzdämpfer und eine gedämpfte Telegabel nachdenken. Das ufert aus. Ähnlich wie bei einer Tuning-Simme.
Hi,
den Tipp mit dem Kettendurchhang nehme ich gerne mit – vielen Dank dafür!
Die 100 km/h sind eigentlich nur so das Ziel – es geht mir nicht darum, die Kiste zu schrotten. Und in irgendein Loch muss ich ja mein ganzes Geld stecken.
Mir kommt zugute, dass der Asphalt im 21. Jahrhundert schön glatt ist. Bei einer funktionierenden Federung ist also kein Aufschlagen wie in den 50er-Jahren zu erwarten.
Und für alle, die in der 9. Klasse öfters Kreide holen waren, hier ein Auszug aus dem „Lügentafelwerk“:
Kinetische Energie E_kin
Sozius-Betrieb (Referenz): m = 250kg, v = 80km/h = 22,2 m/s
E_kin = 0,5 * 250 * 22,2^2 = 61.6 Joule
Solo-Betrieb (Projekt): m = 190 kg, v = 100 km/h = 27,8 m/s
E_kin = 0,5 * 190 * 27,8^2 = 73.4 Joule
