Normaler Temperaturbereich MZ ETZ 250

Motor, Antrieb, Vergaser, Getriebe.

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Normaler Temperaturbereich MZ ETZ 250

Beitragvon quantumquail » Heute 08:30

Hallo,

ich hätte da mal eine Frage bezüglich des Temperaturbereichs, in dem eine MZ ETZ 250 arbeiten sollte.
Seitdem mir mein Motor vor 2 Jahren fest gegangen ist, da das untere Pleuellager bei voller Fahrt geplatzt ist, habe ich an meiner ETZ 250 unter der Zündkerze einen Temperaturfühler installiert, mit dem ich die Temperatur auf einem Display am Lenker immer im Blick habe.
Leider bringt mir das nicht wirklich was, wenn ich nicht weiß, in welchem Bereich die MZ eigentlich sein sollte.
Würde mich riesig freuen, wenn mir jemand paar Vergleichswerte seiner MZ ETZ 250 nennen könnte, damit ich mit meinen Werten was anfangen kann.
Aktuell bei 20 Grad Außentemperatur fährt sich meine MZ gemessen direkt am Kopf unter der Kerze bei etwa 85 bis 115 Grad, je nach Last bzw. ob Bergab oder Bergauf.
Beim Bergauf steigt es auch mal auf 120+ Grad, bergab kühlt sie stark runter auf 75 Grad.

Vielleicht kann jemand was damit anfangen, hier? Danke im Voraus.

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Re: Normaler Temperaturbereich MZ ETZ 250

Beitragvon Richy » Heute 08:53

Hallo,

du solltest das Problem von der anderen Richtung aus sehen:

MZ hat die Motoren so konzipiert, dass sie in allen Betriebsbereichen Vollgasfest sind. Ob bei -30°C oder +50°C Außentemperatur, diese Motoren wurden aufs Härteste getestet.
Der Fahrer hat dabei neben seinem Gehör und Gefühl keine weiteren Informationen über den Zustand im Inneren des Motors.
Was würde dir denn das Wissen über die Temperatur oben am (massiv gekühlten) Zylinderdeckel bringen? Im Grund genommen nichts. Und schon garnichts für den Zustand des Pleuellagers.
Sorge dafür, dass Gemisch, Motor und Peripherie in gutem Zustand sind, entwickle ein Gespür für den Motor und fahre sorgenfrei. Der Motor ist unheimlich "leidensfähig" und funktioniert in einem sehr breiten Betriebsbereich.

Mir ist mal ein Pleuellager unten festgegangen, das ging innerhalb von weniger als 2 Sekunden von "der Motor klingt normal" zu "das Hinterrad steht". Nur dass der Motor schon seit tausenden Kilometern nicht mehr "normal" klang, das hab ich in dem Moment ausgeblendet (obwohl ich es wußte). Ein Thermometer hätte mir (am gesunden Zylinderkopf/Zylinder/Kolben) nichts genützt.

Am Ende gilt immernoch noch; Wer viel misst, misst viel Mist. Ich hab das auch erst mühsam lernen müssen. :ja:
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Re: Normaler Temperaturbereich MZ ETZ 250

Beitragvon quantumquail » Heute 11:25

Vielen Dank für deine Antwort, Richy.

Aus dieser Perspektive habe ich das Ganze noch nicht betrachtet, vielleicht macht man sich nur unnötig Sorgen, wenn man mit so einem Temperaturfühler am Berg 120 Grad misst.
Nur leider habe ich das Ohr nicht dafür, wie sich eine MZ anhören sollte, und somit keinen Kontext, ob sie gut klingt oder nicht. Meine MZ ETZ 250 ist die einzige, die ich jemals in echt gehört habe.
Mein Gedankengang war der, dass ich mit dem Messen am Kopf einfach einen groben Richtwert habe, ob alles so tut, wie es soll. Ein deutlich zu mager eingestellter Vergaser würde ja zB schon den Zylinderkopf deutlich mehr erwärmen als „normal” oder nicht?
Da fängt es ja auch an, ich weiß nicht mal wirklich, ob mein Vergaser gut eingestellt ist oder nicht. Klar, ich hab die richtige Bedüsung und alles soweit korrekt realisiert, was man an Informationen erlesen kann, aber bei allem, was ein „Gefühl“ erfordert, taste ich im Dunkeln.
Manch einer würde dann sagen, dann fahr halt keine MZ, aber irgendwie muss man sich dieses Gespür ja erarbeiten können.
Genau hier hab ich quasi versucht, mit dem Messen ein für mich verständliches Feedback zu bekommen, wenn ich am Vergaser rumspiele oder sonst was verändere.

Nachdem ich meinen Motor überholen ließ, hörte sich meine MZ an wie ein anderes Motorrad.
Zuvor habe ich gedacht, das kläppernde Geräusch wie eine Rassel ist halt normal bei den Dingern, dann bin ich so halt ewig herumgefahren, bis es geknallt hat, da ich eben genau diesen Kontext nicht hatte wie es eigentlich klingen sollte.

Ist aufjedenfall gut zu wissen, dass diese Motoren für einen breiten Betriebsbereich konstruiert wurden, ich hab bisher gedacht die sind genauso fragil wie andere 2 Takter es oft sind. Wieder was gelernt.

Wenn wir schon dabei sind, wie fährt man mit der MZ eigentlich richtig lange Bergstrecken hinunter? Ich bin letztes Jahr durch die Alpen gefahren und war mir nie sicher, wie ich mich da jetzt verhalten sollte, Gas komplett rausnehmen oder immer ein bisschen mit dem Gas spielen, um die Schmierung zu gewährleisten?
Ich hab an anderer Stelle mal gelesen, dass das Ansaugen durch die LLD ausreicht, um den Motor zu schmieren, an anderer Stelle das genaue Gegenteil.

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Re: Normaler Temperaturbereich MZ ETZ 250

Beitragvon rausgucker » Heute 12:25

Richy hat die Motorthematik super erklärt. Gerade der EM 250 ist thermisch wirklich sehr robust.
Was die Alpenabfahrt angeht, das ist wirklich eine gute Frage. Leistungsmäßig verlangt so eine lange Abfahrt ja nur sehr wenig vom Motor. Im Prinzip rollt man da ja 20 Kilometer im Standgas bergab. Wenn also das Standgas stimmt, der Vergaser korrekt eingestellt ist, dann ist das kein Ding. Es stellt sich natürlich die Frage, wie man da abfährt. Wer den zweiten/dritten Gang drinläßt, und dann im Schiebebetrieb mit voll geschlossenem Gasschieber runterrollt, der hat natürlich ordentlich Drehzahl ohne viel Innenkühlung. Aber da sehe ich eher die Problematik des lästigen Nachschlagens. Trotzdem sollte aber über die LLD genug Schmierung da sein, zumal ja kaum Leistung gefordert ist. Ich habe bisher zumindest von keiem ETZ-Fahrer von Problemen auf Alpenabfahrten gehört, wahrscheinlich, weil manja zwischen den Serpetinenkurven doch immer wieder Gas gibt, und das reicht völlig. Lediglich besagtes Nachschlagen wurde kritisiert.

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Re: Normaler Temperaturbereich MZ ETZ 250

Beitragvon Richy » Heute 12:35

Vieles bekommt man dann automatisch mit, wenn man eine Weile fährt. Es hilft auch, im Forum ein wenig querzulesen, auch wenn es natürlich oft 11 verschiedene Meinungen verteilt auf 10 Leute gibt.

Mit der Serienbedüsung und Zündungseinstellung liegt man erst einmal so gut im Rennen, dass man von dort aus weitermachen kann. Immer im Hinterkopf behalten, dass das Motorrad von Werk aus ein Alltagsfahrzeug war, das von "normalen" Leuten ohne technischen Hintergrund gefahren werden sollte.

Einen zu heißen Motor hört man z.B. im Leerlauf gut an einem harten metallischen "Pleng Pleng" anstatt dem normalen gemütlichen "Deng Deng". Ein zu fetter Motor kommt ungern auf Touren, fühlt sich träge an. Ein Motor, der unter Last leise knistert (man hört es dennoch deutlich), ist unzufrieden (gibt verschiedene Ursachen) und so weiter. Alles Sachen, die man nach und nach erlernt.

Richtig schlimme Schäden wie Pleuellager sind eher selten, da brauch man sich keinen Kopf machen. Das "normale" Schlimmste ist eher ein Kolbenklemmer, daher ist ein Finger an der Kupplung immer eine Art Lebensversicherung für Fahrer und Motor (und natürlich schnelle Reflexe, sobald der Motor seinen Klang plötzlich deutlich verändert). Da kann man im Normalfall auch noch weiterfahren nach dem Abkühlen.

Gemisch muss immer passen (irgendwas zwischen 1:40 & 1:70 geht auf jeden Fall immer gut, auch hier keine Panik, wenn mal 50ml zuwenig Öl im Tank sind), der Rest findet sich.

Bergab bleibt auch bei den steilsten und längsten Alpenpässen (da waren auch schon >10km am Stück dabei) bei mir das Gas komplett zu, ich habe dann eher das Problem, im Tal das Gas wieder rechtzeitig zu öffnen, da der Motor komplett ersoffen ist und erstmal ein paar hundert Meter braucht, um wieder Leistung zu bringen, dürfte aber am anderen Vergaser (Bing) liegen. Serienmäßig ist bei meiner ES sogar ein komplettes Schließen des Gasschiebers möglich, um das Schieberuckeln (vom Rausgucker als "Nachschlagen" bezeichnet) zu verhindern. Dann bekommt der Motor weder Sprit noch Luft und das geht trotzdem gut. Ab und zu mal am Gas zu zupfen, richtet aber keinen Schaden an und beruhigt im Zweifel das Gewissen des Fahrers. :ja:
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Re: Normaler Temperaturbereich MZ ETZ 250

Beitragvon quantumquail » vor 34 Minuten

Richy hat geschrieben:Vieles bekommt man dann automatisch mit, wenn man eine Weile fährt. Es hilft auch, im Forum ein wenig querzulesen, auch wenn es natürlich oft 11 verschiedene Meinungen verteilt auf 10 Leute gibt.

Mit der Serienbedüsung und Zündungseinstellung liegt man erst einmal so gut im Rennen, dass man von dort aus weitermachen kann. Immer im Hinterkopf behalten, dass das Motorrad von Werk aus ein Alltagsfahrzeug war, das von "normalen" Leuten ohne technischen Hintergrund gefahren werden sollte.

Einen zu heißen Motor hört man z.B. im Leerlauf gut an einem harten metallischen "Pleng Pleng" anstatt dem normalen gemütlichen "Deng Deng". Ein zu fetter Motor kommt ungern auf Touren, fühlt sich träge an. Ein Motor, der unter Last leise knistert (man hört es dennoch deutlich), ist unzufrieden (gibt verschiedene Ursachen) und so weiter. Alles Sachen, die man nach und nach erlernt.

Richtig schlimme Schäden wie Pleuellager sind eher selten, da brauch man sich keinen Kopf machen. Das "normale" Schlimmste ist eher ein Kolbenklemmer, daher ist ein Finger an der Kupplung immer eine Art Lebensversicherung für Fahrer und Motor (und natürlich schnelle Reflexe, sobald der Motor seinen Klang plötzlich deutlich verändert). Da kann man im Normalfall auch noch weiterfahren nach dem Abkühlen.

Gemisch muss immer passen (irgendwas zwischen 1:40 & 1:70 geht auf jeden Fall immer gut, auch hier keine Panik, wenn mal 50ml zuwenig Öl im Tank sind), der Rest findet sich.

Bergab bleibt auch bei den steilsten und längsten Alpenpässen (da waren auch schon >10km am Stück dabei) bei mir das Gas komplett zu, ich habe dann eher das Problem, im Tal das Gas wieder rechtzeitig zu öffnen, da der Motor komplett ersoffen ist und erstmal ein paar hundert Meter braucht, um wieder Leistung zu bringen, dürfte aber am anderen Vergaser (Bing) liegen. Serienmäßig ist bei meiner ES sogar ein komplettes Schließen des Gasschiebers möglich, um das Schieberuckeln (vom Rausgucker als "Nachschlagen" bezeichnet) zu verhindern. Dann bekommt der Motor weder Sprit noch Luft und das geht trotzdem gut. Ab und zu mal am Gas zu zupfen, richtet aber keinen Schaden an und beruhigt im Zweifel das Gewissen des Fahrers. :ja:


Sehr aufschlussreich, danke für die Antwort. Ich glaube eigentlich, dass ich mit meinem aktuellen Setup dann ganz gut dabei bin.
Ich habe ewig am Vergaser herumgedreht, weil ich dieses „Nachschlagen” loswerden wollte. Ich wusste nicht, dass es quasi normal ist. Das war dann eben vorallem beim Bergabrollen mit leicht geöffnetem Gashahn ein echtes Rodeo.
Ich dachte, es läge an einer falschen Einstellung des Vergasers oder der Zündung. Ich habe nämlich einen Mikuni VM-30 von Motorrad Leuschner mit einer HD 150, einer LLD 45 und einer Vape-Zündung.
Auf YouTube bin ich auf jemanden aufmerksam geworden, der an seiner ETZ 250 eine Malossi-Schwingkammer montiert hat um das Schieberuckeln zu minimieren. Das habe ich dann auch gemacht. Tatsächlich ist das „Nachschlagen” mit dieser Schwingkammer deutlich besser, aber ich vertraue dem Teil nicht so ganz, weil es schon recht experimentell ist.
Im Nachhinein bereue ich es ein bisschen, weil umso mehr man vom Serienzustand abweicht, umso empfindlicher wird das Ganze natürlich. Vor allem, wenn man nicht zu 100 % versteht, was da eigentlich passiert.
Vor allem habe ich das Gefühl, dass die Temperaturwerte wärmer sind als vor dem Schwingkammerumbau, auch wenn das nicht so aussagekräftig ist, wie ich zuerst gedacht habe.
Leistungsmäßig hat sich seit dem Umbau nichts Merkliches verändert. Sie läuft nur mit fast komplett herausgedrehtem Standgas bei 600 U/min stabil im Standgas; davor waren es circa 1000 U/min. Scheint also schon irgendetwas zu machen, dieses Fläschchen.

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