von Steffen G » 17. August 2025 22:16
Hi!
Ja, ich kenne das auch so,
M 8 Stahl in 8.8 (was so normal ist, für allgemeine Anwendungen),
wird mit 23 Nm angezogen.
Es ist jetzt garnicht so selten,
dass solche Drehmomentangaben falsch sind.
Und Baumarkt-Drehmomentschlüssel die 20 Jahre alt sind, und nie kalibriert oder überprüft wurden,
sind noch ein zusätzliches Risiko.
Lieber mal den gesunden Menschenverstand benutzen.
In der DDR hat auch kaum ein privater Schrauber einen Drehmomentschlüssel gehabt. Auch im Werkstätten gab es kaum welche.
Oder die Gesellen haben die kaum benutzt.
Weil 34 Nm ist schon ganz schön viel.
Ohne Drehmomentschlüssel hätte das niemand so fest gezogen.
Beispiel von der Arbeit:
So ein speziellen Fahrzeugtyp hab ich schon 4 Jahre lang repariert.
Reparaturanleitungen gab es da kaum, und auch keine Drehmomente.
Hat alles geklappt in der Zeit.
Dann kam mein Chef, etwas sehr arrogant,
und hat mir eine Drehmomenttabelle für die einzelnen Schrauben hingelegt,
und ich musste dann dafür unterschreiben,
dass ich es zur Kenntnis genomen habe und mich daran halten werde.
(hatten wohl die aus der Firmenzentrale Höhenflüge und Langeweile, und einen Praktikant das ausarbeiten lassen)
Na, am nächsten Tag hab ich mich daran gehalten,
die erste Schraube M5 in Alu, 6 Gewindegänge, war natürlich bei 8 Nm sofort überdreht, also das Gewinde im Motor.
Schaden 600€.
Dann hab ich dem Chef den Motor auf den Schreibtisch gelegt,
und gesagt er soll gleich mal 10 neue bestellen. Die brauche ich jetzt bestimmt ganz oft.
Gut, wir haben dann wieder vernünftig miteinander geredet,
ich hab dann mal so eine universelle Drehmomentübersicht am PC rausgesucht.
8 Nm wäre bei Stahl richtig,
aber bei Alu ist es nun mal nur die Hälfte.
Seitdem hab ich das mit Handgefühl weitergemacht, wie immer,
ich hab noch keine Schraube wieder überdreht, und es ist auch nie etwas locker geworden.
Andererseits gibt aber auch Schrauben,
die man so fest anziehen muss, wie man das normal nie gemacht hätte.
Ich erinnere mich an meinen VW-Transporter,
da ist die Kurbelwellen-Zentralschraube M 18 x 1,5. Einmal verwendbar ist die Dehnschraube.
Da gilt erstmal 180 Nm. Dann noch eine halbe Umdrehung weiter.
Man braucht da erstmal einen speziellen Gegenhalter von VW, dann 1 Zoll- Werkzeug, ein 2 Meter langes Rohr, einen Unterstellbock um das Werkzeug abzustützen und vollen Körpereinsatz.
Ich hab da Angstschweiss bekommen und gezittert,
aber die Schraube hat gehalten.
Wenn man das nicht so macht, ist die Kraftübertragung über die Stirnfläche nicht mehr gewährleistet, das verdreht sich dann,
den Einlegekeil schert es ab, und dann ist der Motor und wahrscheilnlich auch das ganze Auto reif für den Schrottplatz.
Zusammengefasst sag ich mal für mich:
Also wo ich weiss dass es wirklich wichtig ist,
halte ich mich schon an Drehmomentvorgaben.
Nach fast 40 Jahren Berufserfahrung weiss man das schon so aus Erfahrung,
was man wie fest anzieht.
Wenn mir was komisch vorkommt, forsche ich halt noch mal nach.
Übrigens weiss ich, dass Reparaturanleitungen auch für Autos immer mal überarbeitet werden,
und sich die Drehmomentangaben auch manchmal etwas ändern.
Früher waren beim ollen Golf die Riemenscheiben immer mit 20 Nm anzuziehen.
In den aktuellen Anleitungen steht da immer z B. 15 Nm + 45°
Grüße, Steffen !
Fuhrpark: BK 350, ETZ 150, AWO,
Golf IV TDI, VW T4,
Ursus KSH