Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Rahmen, Räder, Dämpfung, Bremsen.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Karghista » 15. Februar 2026 23:06

Mal noch ne Anschlußfrage:

Wie kann ich hinterher prüfen, ob die Gabel so dämpft wie vom Werk vorgesehen?

Habe meine noch nicht zerlegt..momentan ist zwischen Einfedern und Ausfedern zeitlich kein Unterschied...
Soll das so sein? Ist die Dämpfung gleichgroß? Widerspricht eigentlich meiner Vorstellung.

Und wie messe ich eigentlich die Dämpfung oder bleibt das ne reine Gefühlssache?

Gruß Matthias

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Mechanikus » 15. Februar 2026 23:22

Natürlich bleibt es immer Gefühlssache. Ich erinnere mich aber, daß irgendwo mal Daten für die Ausfederzeiten von ausgebauten Dämpfern veröffentlicht waren. Besser ist vermutlich, einfach mal das Öl aus der Gabel abzulassen und probehalber eine höhere Viskosität aufzufüllen. Wenn sich dann der Dämpfungseffekt einstellt, ist es gut. Ich hatte erst nennenswerte Ergebnisse mit Hydrauliköl HLP 46.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Karghista » 15. Februar 2026 23:43

Mmh....und wie sollte der Unterschied zwischen Ein- und Ausfedern sein?

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Mechanikus » Gestern 01:35

Die Dämpfung beim Einfedern sollte kaum vorhanden sein, schließlich ist die Gabel vergleichsweise langhubig und soll ja zunächst erstmal schnell den Stoß aus Richtung Fahrbahn absorbieren. Beim Ausfedern ist dann die Dämpfung gefragt. Wieviel genau hängt von etlichen Faktoren, vor allem vom vorrangigen Einsatzzweck der Maschine und auch etwas vom Geschmack des Fahrers ab. Ein Test ist verhältnismäßig einfach. Man fährt bei tief stehender Sonne eine Holperpiste entlang. Dabei beobachtet man den Schatten des Vorderrades. Wenn die Gabel unterdämpft, also zu wenig gedämpft ist, verliert das Vorderrad oft den Bodenkontakt und springt auf der Straße herum, was man aber dank der sehr guten Federung der MZ Gabel nicht unbedingt beim Fahren bemerken muß. Deshalb empfiehlt es sich nur zur Probefahrt den Luftdruck im Vorderreifen stark zu erhöhen. Dann bemerkt man das herumspringen des Vorderrades auch rein gefühlsmäßig. Eine gut gedämpfte Gabel hält das Rad weitestgehend am Boden, was sich am Schatten des Rades auch ganz gut beobachten läßt. Aber viele kurze Unebenheiten direkt hintereinander auf der Straße lassen auch das bestgedämpfte Rad abheben. Also dann nicht gleich unruhig werden, das ist normal.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Karghista » Gestern 08:01

Mit anderen Worten: Im ausgebauten Zustand sollte ein deutlicher Unterschied beim händischen Einfedern und Ausfedern sein?

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon rausgucker » Gestern 08:10

Eine Dämpfung ist bei den Stoßdämpfern der Federbeine (im ausgebauten Zustand) prüfbar. Bei der MZ-Telegabel ist das nicht möglich. Natürlich dämpft die Gabel, aber nicht vergleichbar mit Stoßdämpfern der Federbeine oder eines Autos. Die Dämpfung der MZ-Telegabel ist eher vergleichbar mit einem Lenkungsdämpfer. Sie soll Aufschaukeln verhindern bzw. Stempeln beim Bremsen. Aber eine Dämpfung in dem Sinne, dass ein deutlicher Zeitverzug beim Ausfedern zu sehen wäre, ist konstruktiv nicht vorgesehen.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Karghista » Gestern 09:40

Ok....wieder was dazu gelernt...wer hätte gedacht, daß die Fahrdynamik bei nem Motorrad unterschiedliche Ansprüche an die Dämpfung vorn bzw. hinten stellt....

D.h. in der Regel sollten neue Wellendichtringe, neues Öl und korrekter Füllstand ausreichen?

Gruß Matthias

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon rausgucker » Gestern 10:36

Vor allem die Wahl des Öl ist entscheidend für die Funktion. Es gibt da verschiedene Mischungen. Fertiges Dämpferöl, Mischung mit Getriebeöl, Hydrauliköl - MoSo2-kommt auch dazu.
Wichtig ist der Füllstand, gute Simmerringen (möglichst Untermaß Siri mit 34,5 mm), Sauberkeit, keine verschlissenen Kolbenringe innen am Stützrohr. Und eben die Wahl der richtigen Federn hinsichtlich Härte. Jeder hat da seine eigenen Vorlieben. Ich fahre bspw. immer härtere Gespannfedern. Weil ich eben auch mit 1,90m kein Leichtgewicht bin ;) Das passt für mich hinsichtlich Federkomfort. Für andere Fahrer, sind die Solofedern besser. Viele schwören auch auf die unterschiedlich gewickelten progressiven Feder und montieren Stabilisatoren zwischen den Holmen. Das muss man einfach ausprobieren. Grundsätzlich ist die 35 mm Telegabel der MZ zwar eine recht einfache Konstruktion - ohne getrennt einstellbare Zug- und Druckstufe usw.- aber trotzdem ist es eine sehr gute Telegabel, die ihren Zweck vollkommen erfüllt und auch langlebig ist.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Karghista » Gestern 13:53

Vielen Dank!

Güsi bietet das als Überholsatz an:

--2 x Wellendichtring Doppellippe- 35x47x07 Best.-Nr.: 10301A
--2 x Kolbenring f. Stützrohr (Telegabel) (unsere eigene
Nachfertigung)Best.-Nr.: GS-915
--2 x Drossel (Telegabel) Originalteil Best.-Nr.: G15233
--2 x Dichtscheibe (Original) Best.-Nr.: 15226-00M
--2 x Druckfeder f. Ventilplatte (Original) Best.-Nr. HS15229-00M
--2 x Druckfeder f. Endanschlag (Telegabel)(Original) Best.Nr. 15225A


Ich nehme die Gabel mal auseinander und wenn keine Auffälligkeiten sind, nur die Wedi und die Kolbenringe tauchen?
Sieht man an den letzteren Verschleißspuren?

Am Durchmesser der Wedis scheiden sich die Geister. Klar, kann der 34,5mm eine lecke Gabel besser abdichten.
Allerdings ist das Losbrechmoment größer und der Verschleiß durch höheren Druck auf die Rohre auch größer?

Gruß Matthias

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon Mechanikus » Gestern 14:34

Soweit richtig. Aber von der Wirkung des Anpressdrucks der Wellendichtringe darfst Du Dir keine falschen Vorstellungen machen. Einen Unterschied im Ansprechverhalten oder gar im Verschleiß gibt es nicht. Die DDR Gabelsimmerringe waren übrigens auch Untermaßringe, auf denen aber das Nennmaß der Gabelstandrohre geschrieben stand. Spezialanfertigungen mit 35er Nennmaß sind nichts anderes. Ich habe 34er Ringe drin, ohne jedes Problem.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon ea2873 » Gestern 16:03

Karghista hat geschrieben:
Ich nehme die Gabel mal auseinander und wenn keine Auffälligkeiten sind, nur die Wedi und die Kolbenringe tauchen?
Sieht man an den letzteren Verschleißspuren?

Am Durchmesser der Wedis scheiden sich die Geister. Klar, kann der 34,5mm eine lecke Gabel besser abdichten.


bisher bin ich mit den normalen Wedis auch gut gefahren. Verschleiß sieht man am Standrohr v.a. unten ich glaube vorne. Das kann dann schon deutlich sein. Das Standrohr um 180 Grad gedreht (also vorne nach hinten) und es ist nochmal gut für fast die gleiche Strecke.
Bei den Kolbenringen sieht man den Verschleiß nicht zwingend so gut, es macht aber trotzdem einen deutlichen Unterschied die zu tauschen.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon MZfan » Gestern 16:24

Verschleiß sieht man unten hinten.
Ich drehe die Rohre bei deutlichen Verschleißspuren um 90°.
Leider kann man die Geleitrohre nicht drehen. ;-)

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon rausgucker » Gestern 16:40

Die Telegabelrohre sind nicht exakt 35 mm im Durchmesser, bereits im Neuzustand nicht. Deswegen nimmt man ja Untermaßringe. Da muss man sich um "Losbrechmomente" wirklich gar keinen Kopf machen. Auch Verschleiss durch die Wedi auf den Rohren ist zu vernachlässigen. Vorausgesetzt, es kommt kein Dreck bzw. Staub dazwischen.
Verschleiß an den Gabelrohren gibt es an zwei Stellen:ganz unten hinten und oberen Bereich der Gleitrohre vorn. Mit einer 90Grad Drehung bzw. 180 Grad kann man die Verschleißstellen verändern.
Die Wedi würde ich von der Bezeichnung schon für korrekt halten. Auf jeden Fall suppen die 35mm Wedi sehr häufig - mit den 34,5 Wedi habe ich das noch nicht gesehen. Ich habe meine 35mm Wedi schon vor langer Zeit alle entsorgt bzw. verschenkt. Ich verwende nur noch Untermaßringe für die Telegabel.

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Re: Neue Telegabel ETZ 250 DDR

Beitragvon ARV » Gestern 19:05

Je nach Fertigungstoleranz und Verschleiß der Standrohre kann ein 35mm Dichtring reichen oder auch nicht. Ich hatte welche von Wirth in 35mm genommen. Extra für Gabeln die ja nur hoch und runter gehen und keine Wellen sind die sich drehen für welche ja die Radialwellendichtringe eigentlich sind. Vll kann ja jemand aufklären ob es da Unterschiede gibt, gesehen hab ich keine.

Die nächste Wissenschaft sind die Federn (Solo,Gespann,Progressiv,Vorspannhülsen) und natürlich das Öl :D

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